{"id":781,"date":"2019-02-06T10:13:06","date_gmt":"2019-02-06T09:13:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.anwaltskanzlei-grunert.de\/?p=781"},"modified":"2019-02-06T10:13:06","modified_gmt":"2019-02-06T09:13:06","slug":"neukundenwerbung-mit-gutscheinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anwaltskanzlei-grunert.de\/index.php\/neukundenwerbung-mit-gutscheinen\/","title":{"rendered":"BGH Apothekenrecht: Neukundenwerbung mit Gutscheinen mit Rx-Bezug unzul\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"<p>Apotheker m\u00fcssen trotz kritischer Sicht des EuGH auf die deutsche Preisbindung bei der Neukundenwerbung Vorsicht walten lassen. Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (Urt. v. 29.11.2018, BGH I ZR 237\/16) verst\u00f6\u00dft es gegen \u00a7\u00a7 8, 3, 3a UWG in Verbindung mit \u00a7 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 HWG, \u00a7 78 Abs. 2 Satz 2 und 3, Abs. 3 Satz 1 AMG, wenn ein Apotheker Kunden eine Pr\u00e4mie in H\u00f6he von 10 \u20ac f\u00fcr jeden neu geworbenen Kunden verspricht, soweit der neu geworbene Kunde ausschlie\u00dflich preisgebundene Arzneimittel erwirbt.<\/p>\n<p>Der BGH f\u00fchrt aus, das\u00a0 Berufungsgericht\u00a0 habe zu Recht angenommen, es handele es sich bei der Werbung des Apothekers um produktbezogene Werbung (wie vom HWG verlangt). Die Werbung betreffe das gesamte Sortiment der Apotheke, weil die versprochene\u00a0 Zuwendung\u00a0 an\u00a0 die\u00a0 Voraussetzung\u00a0 gekn\u00fcpft\u00a0 sei,\u00a0 dass\u00a0 ein\u00a0 neuer Kunde ein vom Beklagten angebotenes Produkt erwerbe. Die Werbung sei daher keine\u00a0 allgemeine Firmenwerbung,\u00a0 sondern eine\u00a0 Ma\u00dfnahme\u00a0 zur \u00a0F\u00f6rderung des Absatzes der von der Apotheke vertriebenen Produkte.<\/p>\n<p>Dem stehe auch der Arzneimittelkodex nicht entgegen. Insbesondere den Regelungen der\u00a0 Art. 86 und 89 der Richtlinie 2001\/83\/EG sei nicht zu entnehmen, dass allein die Werbung f\u00fcr ein einzelnes Produkt verboten, die Werbung f\u00fcr lediglich ihrer Art nach bestimmte Arzneimittel oder das gesamte Warensortiment dagegen erlaubt sei.<\/p>\n<p>Zudem liege ein Versto\u00df gegen die arzneimittelrechtliche Preisbindung nicht nur vor, wenn der Apotheker ein preisgebundenes Arzneimittel zu einem niedrigeren Preis abgibt. Die Bestimmungen der Arzneimittelpreisverordnung seien vielmehr\u00a0 auch\u00a0 dann\u00a0 verletzt,\u00a0 wenn\u00a0 f\u00fcr\u00a0 das\u00a0 preisgebundene\u00a0 Arzneimittel\u00a0 zwar der vorgeschriebene Preis angesetzt wird, dem Kunden aber gekoppelt mit dem Erwerb des Arzneimittels Vorteile gew\u00e4hrt werden, die den Erwerb f\u00fcr ihn wirtschaftlich g\u00fcnstiger erscheinen lassen (vgl. BGH, Urteil vom 9.September 2010 &#8211; IZR193\/07, GRUR 2010, 1138 Rn.17 =WRP 2010, 1482 &#8211; UNSER DANKE-SCH\u00d6N\u00a0 F\u00dcR\u00a0 SIE,\u00a0 m. w. N;\u00a0 BGH,\u00a0 GRUR\u00a0 2017,\u00a0 635\u00a0 Rn. 37 &#8211; Freunde\u00a0 werben Freunde).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich seien die in \u00a7 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HWG in Bezug\u00a0 genommenen Preisvorschriften des Arzneimittelgesetzes auch nicht aus unions- oder verfassungsrechtlichen\u00a0 Gr\u00fcnden\u00a0 unanwendbar\u00a0 oder\u00a0 unwirksam. Die\u00a0 Revision r\u00fcge ohne Erfolg, die in \u00a778 Abs. 2 AMG enthaltene Regelung k\u00f6nne nach dem Urteil des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union in der Sache Deutsche Parkinson Vereinigung\/Zentrale (EuGH, Urteil\u00a0 vom\u00a0 19. Oktober\u00a0 2016 -C- 148\/15, GRUR 2016, 1312 = WRP 2017, 36) keine Geltung mehr beanspruchen. Diese Entscheidung habe keine direkte Bedeutung f\u00fcr den Streitfall, da dieser einen rein innerstaatlichen Sachverhalt betreffe. Der Umstand, dass ausl\u00e4ndische Versandapotheken der Preisbindung nicht unterliegen, f\u00fchre auch zu keiner relevanten\u00a0 Ungleichbehandlung\u00a0 im\u00a0 Sinne\u00a0 von\u00a0 Art. 3 Abs. 1 GG. Ebensowenig k\u00f6nne angenommen werden,\u00a0 dass die mit dem\u00a0 einheitlichen Apothekenabgabepreis verbundene Einschr\u00e4nkung der Berufsfreiheit nicht (mehr) gerechtfertigt sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben l\u00e4ge im Streitfall ein Versto\u00df gegen die arzneimittelrechtliche\u00a0 Preisbindung\u00a0 vor.\u00a0 Nach\u00a0 der\u00a0 beanstandeten\u00a0 Werbung\u00a0 des Apothekers werde die Pr\u00e4mie in H\u00f6he von 10 \u20ac ohne Einschr\u00e4nkung f\u00fcr jede Werbung eines neuen Kunden und damit auch dann gew\u00e4hrt, wenn der neue Kunde\u00a0 bei der Apotheke\u00a0 ausschlie\u00dflich\u00a0 Arzneimittel\u00a0 erwerbe,\u00a0 f\u00fcr\u00a0 die\u00a0 ein\u00a0 einheitlicher Apothekenabgabenpreis zu gew\u00e4hrleisten ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Apotheker m\u00fcssen trotz kritischer Sicht des EuGH auf die deutsche Preisbindung bei der Neukundenwerbung Vorsicht walten lassen. 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